Traurig ...

Mal Sondock gestorben
Der Vater der Disco
Von Ludwig Schieffer, 12.06.09, 21:49h
Fast 20 Jahre lang beglückte der texanische DJ Mal Sondock die jüngere WDR-Hörerschaft mit den neuesten Hits. Vergangenen Dienstag, einen Monat vor seinem 75. Geburtstag, ist der Radiomacher nach schwerer Krankheit in Köln gestorben.
„Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an“ - fast 20 Jahre lang prägte Mal Sondock, der radebrechende texanische DJ, die Rock-und Beatsendungen des WDR seit Mitte der 60er bis in die 80er Jahre. Seine Musikauswahl machte ihn zum Guru bei den Pop-Hörern. Seine Art, populäre Musik zu präsentieren, hat Generationen von Radiomachern beeinflusst.
Im damals noch von Schul-, Land- und Frauenfunk beherrschten WDR-Programm war Sondock für junge Leute ein wohltuender Fremdkörper. Er hatte immer die neuesten Hits aus England in seinen Musikshows, meist noch früher als der britische Soldatensender BFBS. Die Hit-Adepten zu Hause standen an ihren Tonbandgeräten, um die neuesten Charthits für ihre Partys mitzuschneiden.
Als junger Radio-DJ kam Sondock in den 50er Jahren nach Europa, um die GIs zunächst über den US-Soldatensender AFN München mit den Hits aus der Heimat zu beschallen. Während seiner Münchner Zeit soll es auch gewesen sein, dass er außerhalb des Senders Tanzveranstaltungen organisierte, bei denen keine Bands spielten, sondern erstmals nur Platten aufgelegt wurden. Mit diesen „Record-Hops“ sei er eigentlich der Vater der Discothek in Deutschland gewesen, rühmte er sich.
Dann hielt es ihn wie die AFN-Kollegen Bill Ramsey, Rick de Lisle oder Charlie Hickman nicht mehr alleine in der kleinen US-Kommune in Deutschland. Er wollte ins deutsche Radio. Denn das, was der britische Kollege Chris „Pumpernickel“ Howland geschafft hatte, meinte Sondock auch zu können. Er bewarb sich beim WDR als Urlaubsvertretung für Mr. Pumpernickel und wurde prompt genommen.
Sehr bald entwickelte er seine eigene Personality, seine eigenen Gimmicks. So entstand in der Live-Sendung „Diskothek im WDR“ das legendäre Spielchen „Hit oder Niete“. Sondock hatte nach dem Vorbild der BBC-Sendung „Jukebox-Jury“ einige seiner tanzwütigen Gäste ausgewählt, die die brandneuesten Platten nach ihrem Hitpotenzial zu bewerten hatten. Innovativ dabei die Nutzung von Geräuscheffekten wie Klingeln und Schnarren, wenn akustisch deutlich gemacht werden musste, dass der Daumen bei der neuesten Scheibe von den Rubettes nach oben oder unten gegangen war. Für ebenso schicke wie sinnfreie Sentenzen wie „Wir machen weiter mit sounds-abounce“ verehrten ihn seine Fans - und waren ebenso irritiert, als Sondock auf Geheiß der Chefetage 1984 die WDR-Wellen zu verlassen hatte. Ein Zwangsabschied, den er nie verwunden hat, erzählte er später, wo er doch abends mehr Hörer auf WDR 2 gehabt habe als manche Sendung im Tagesprogramm.
Am Sonntag widmet WDR 4 Sondock ab 19 Uhr einen Nachruf.
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http://www.ksta.de/html/artikel/1242833532849.shtml